Nikolaus II.

Nikolaus II. (Russland)

 
 

Nikolaus II. (russisch Николай II; gebürtig Nikolaus Alexandrowitsch Romanowrussisch Николай Александрович Романов; * 6. Maijul.18. Mai 1868greg. im AlexanderpalastZarskoje Selo; † 17. Juli 1918 in Jekaterinburg) aus dem HerrschergeschlechtRomanow-Holstein-Gottorp war der letzte Kaiser[1] bzw. Zar des Russischen Reiches. Sein offizieller Titel lautete Zar Nikolaus II., Kaiser und Autokrat aller Russen.
 

Herkunft und Jugend[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 
Nikolaus (links stehend) mit seinen Eltern und den Geschwistern Georgi und Xenija (1878)

Nikolaus Alexandrowitsch Romanow wurde am 18. Mai 1868[2] im Alexanderpalast von Zarskoje Selo geboren. Er war der älteste Sohn von Zarewitsch Alexander, des späteren Zaren Alexander III., und dessen Gemahlin Maria Fjodorowna (geborene Dagmar von Dänemark). Per Geburt erhielt Nikolaus den traditionellen Titel eines „Großfürsten von Russland“ (russ. Welikij Knas).

Als Mitglied des Herrscherhauses Romanow-Holstein-Gottorp bestanden, wie im 19. Jahrhundert üblich, Verwandtschaftsverhältnisse zu zahlreichen europäischen Fürstenhäusern. Väterlicherseits war Nikolaus ein Enkel des regierenden russischen Zaren Alexander II. und Marija Alexandrowna (geborene Marie von Hessen-Darmstadt), mütterlicherseits war er ein Nachkomme des dänischen Königs Christian IX. und Louises von Hessen-Kassel. Die alljährlich stattfindenden Besuche bei den Großeltern an den dänischen Königshöfen von Fredensborg und Bernstorff waren regelmäßige Familientreffen mit den deutschen, britischen, griechischen und dänischen Verwandten. Aufgrund seiner vornehmlich deutschen, als auch russischen und dänischen Herkunft war Nikolaus ein Cousin des britischen Königs Georg V., des norwegischen Königs Haakon VII., des dänischen Königs Christian X. sowie desgriechischen Königs Konstantin I. Weiterhin war er ein Cousin zweiten Grades des Deutschen Kaisers Wilhelm II.

Nikolaus hatte fünf jüngere Geschwister: Alexander (1869–1870), Georgi (1871–1899), Xenija (1875–1960), Michail (1878–1918) und Olga (1882–1960) mit denen die Familie meist im Sankt Petersburger Anitschkow-Palais residierte. Das Zusammenleben innerhalb der Familie wurde als harmonisch und liebevoll beschrieben, weshalb Nikolaus (in Familienkreisen "Nicky" genannt) eine sehr enge Familienbindung entwickelte, die er zeitlebens beibehalten sollte. Im Hinblick auf Herkunft und Status ihrer Kinder, legte Maria Fjodorowna großen Wert auf eine häusliche, durch Einfachheit und Bescheidenheit gekennzeichnete Erziehung. Nikolaus sprach neben RussischEnglischDeutsch und Französisch, ein englischer Hauslehrer erzog ihn, für die russische Gesellschaft unüblich, nach den Prinzipien eines Gentleman.
 

Thronfolger (1881 bis 1894)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 
Zarewitsch Nikolaus (1889)

Am 13. März 1881 fiel Alexander II. einem Bombenattentat der linksterroristischen Untergrundorganisation Narodnaja Wolja (Volkswille) zum Opfer. Der zwölfjährige Nikolaus war Augenzeuge, wie sein schwer verwundeter Großvater in das Sankt Petersburger Winterpalais gebracht wurde und dort seinen Verletzungen erlag. Dadurch folgte ihm Alexander III. auf den Thron und Nikolaus wurde gemäß den Bestimmungen der Primogenitur neuer Zarewitsch(Thronfolger). Aus Sicherheitsgründen siedelte die Familie nach dem Attentat in das festungsartige Schloss Gattschina um und weilte nur noch zu offiziellen Anlässen in der Hauptstadt. Hatte der junge Nikolaus bisher abgeschottet von der Außenwelt gelebt – die Geschwister und eine Gouvernante waren die einzigen Spielkameraden – verstärkte der Umzug die soziale Isolation des Thronfolgers noch weiter. Die abgeschottete, vom Leben der einfachen Bevölkerung abgewandte Lebensweise führte schließlich zur Loslösung von allen gesellschaftlichen Schichten des Reiches.

Die schulische Privaterziehung des Thronfolgers unterstand der Aufsicht des konservativ-klerikalen Juristen Konstantin Pobedonoszew, einem Berater des Zaren. Pobedonoszew übte großen Einfluss auf das Weltbild des Zarewitsch aus, indem er ihm ein veraltetes Bild der Politik vermittelte. Er lehnte den westlichen Liberalismus ab und hob die Notwendigkeit autokratischer Machtentfaltung als Ausfluss des Gottesgnadentums hervor. Durch Erziehung und Unterricht seines englischen Hauslehrers hatte der als ein wenig unsicher beschriebene Nikolaus früh Fähigkeiten zur Ruhe, Selbstkontrolle und Pflichtbewusstsein entwickelt, zeigte jedoch wenig Interesse an den Tätigkeiten eines Herrschers. Zwischen 1885 und 1890 besuchte Nikolaus Vorlesungen über Politikwissenschaft und Volkswirtschaftslehre am Institut für Rechtswissenschaften der Universität Sankt Petersburg. Parallel begann er im Alter von 19 Jahren seine Offizierslaufbahn und trat in das elitäre Preobraschensker Leib-Garderegiment ein. Der Eintritt in die Armee wirkte befreiend auf den Thronfolger, der nun erstmals mit Gleichaltrigen dauerhaft in Kontakt stand. Er liebte die Atmosphäre des Kasernenlebens, die Kasinokameraderie und fühlte sich in der Gesellschaft von Offizieren wohl. Nikolaus stieg bis zum Rang eines Oberst auf.

1890/91 begab sich Nikolaus in Begleitung seines Bruders Georgi und seines Cousins Georg von Griechenland an Bord der Panzerfregatte Pamjat Asowa auf eine mehrmonatige Weltreise. Diese führte u. a. über den Sueskanal,IndienCeylonBangkokSingapur und Java im Frühjahr 1891 in das Kaiserreich Japan. Dort scheiterte am 11. Mai 1891 ein Attentat auf Nikolaus, als er von einem japanischen Polizisten mit einem Säbel angegriffen wurde (Ōtsu-Zwischenfall). Am 23. Mai schließlich wurde das russische Wladiwostok erreicht, wo Nikolaus im Namen seines Vaters der feierlichen Grundsteinlegung der Transsibirischen Eisenbahn beiwohnte.

Nach seiner Rückkehr erhielt Nikolaus erste Einblicke in die Regierungsgeschäfte, indem er von Alexander III. zum Mitglied des Staatsrates ernannt wurde. Da man am Zarenhof jedoch der Meinung war, dass der erst 45-jährige Herrscher sein Amt in naher Zukunft nicht an seinen Sohn weiterreichen müsse, beteiligte man diesen nur in geringem Maße an politischen Entscheidungsprozessen.

Heirat und Nachkommen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 
Gemälde der Heiratszeremonie von Laurits Tuxen
 
Nikolaus II. mit seiner Gattin Alexandra und den fünf gemeinsamen Kindern (1913)

Am 8. April 1894 wurde in Coburg die Verlobung zwischen Nikolaus und Alix von Hessen-Darmstadt, seiner Cousine zweiten Grades, verkündet. Alix war die Tochter des Großherzogs Ludwig IV. von Hessen und bei Rhein und dessen Gemahlin Alice von Großbritannien und Irland und somit eine Enkelin der britischen Königin Victoria. Das Paar hatte sich 1884 anlässlich der Hochzeit von Alix' älterer Schwester Elisabeth mit Nikolaus' Onkel Großfürst Sergei Alexandrowitsch in Sankt Petersburg kennengelernt. Trotz starker Vorbehalte seiner Mutter gegenüber einer deutschen Prinzessin und Bedenken Königin Victorias gegenüber Russland sowie der anfänglichen Weigerung der streng gläubigen Alix, zur Russisch-Orthodoxen Kirche zu konvertieren, war es Nikolaus gelungen die Liebesheirat durchzusetzen.

Der überraschende Tod Alexanders III. am 1. November 1894 machte eine schnelle Hochzeit des neuen Monarchen notwendig, weshalb die erst für das das Jahr 1895 geplante Trauung bereits am 26. November 1894 stattfand. In Anwesenheit zahlreicher Mitglieder der europäischen Herrscherdynastien wurde die Hochzeit in der Großen Kapelle des Winterpalais vollzogen und aufgrund der Trauerzeit war die Zeremonie, gemessen an damaligen Maßstäben, von außerordentlicher Bescheidenheit. Mit der Konversion zur Russisch-Orthodoxen Kirche änderte Alix ihren Namen in Alexandra Fjodorowna.

Der Ehe entstammten fünf Kinder, die alle zusammen mit ihren Eltern am 17. Juli 1918 ermordet wurden:



Regierender Kaiser 

 
Szene aus der Krönungszeremonie
Gemälde von Laurits Tuxen (1853–1927)
 
Kaiserliches Monogramm Nikolaus II.

Der plötzliche Tod seines Vaters Alexanders III. nach kurzer Krankheit am 1. November 1894 machte den 26-jährigen Nikolaus zu dessen Nachfolger als Kaiser. Nach langwierigen Vorbereitungen erfolgten die formellen Krönungsfeierlichkeiten erst 17 Monate später am 26. Mai 1896. Traditioneller Krönungsort war die Mariä-Entschlafens-Kathedrale des Moskauer Kreml. In einer prunkvollen russisch-orthodoxen Zeremonie krönte sich Nikolaus mit der Zarenkrone selbst zum Kaiser und Autokrat aller Reußen durch die Gnade Gottes. Anschließend krönte er Alexandra zur Kaiserin.




 

Spätere Regierungsjahre

Die nächsten zwanzig Regierungsjahre verbrachte Georg ruhig und ohne Skandale. Er glänzte durch gewissenhafte Erfüllung seiner Königspflichten. Nikolaus II.war der erste Monarch, der sich 1932 in der – inzwischen Tradition gewordenen – Weihnachtsansprache an sein Volk wandte.