Alix von Hessen-Darmstadt

Alix von Hessen-Darmstadt

 
 
 
Kaiserin Alexandra Fjodorowna 1907

Victoria Alix Helena Louise Beatrice von Hessen und bei RheinVA (* 6. Juni 1872 in Darmstadt; † 24. März 1953) war großherzogliche Prinzessin von Hessen-Darmstadt und durch ihre Heirat mit dem späteren Kaiser Nikolaus II. als Alexandra Fjodorowna  war  Kaiserin von Russland.

Frühe Jahre[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Alix mit ihrer Schwester Marie
 
Alix (rechts) mit ihrer Schwester Marie
 
Alix von Hessen-Darmstadt in der Uniform ihres Ulanen-Regiments, um 1893

Alix wurde als sechstes Kind und vierte Tochter von Großherzog Ludwig IV. von Hessen und bei Rhein und Prinzessin Alice von Großbritannien und Irland, der zweitältesten Tochter von Königin Victoria, geboren. Sie wurde am 1. Juli 1872, dem Hochzeitstag ihrer Eltern, getauft. Ihre Taufpaten waren der Prinz und die Prinzessin von Wales, der zukünftige Zar Alexander III. und seine Frau, Prinzessin Beatrice von Großbritannien und Irland, die Herzogin von Cambridge und die Landgräfin von Hessen-Kassel. Sie erhielt den Namen Alix, da laut ihrer Mutter der Name „nicht so leicht verketzert werden“ könne, wie der Name Alice „weil man hier meinen Namen umbringt. Man spricht ihn ′Aliice′ aus“. Die weiteren Namen erhielt sie zu Ehren ihrer Großmutter Königin Victoria und ihrer englischen Tanten, der Schwestern ihrer Mutter.[1]

Ihre Mutter war bereits in Alix’ früher Kindheit an Diphtherie gestorben (1878), ebenso wie ihre kleine Schwester Marie Viktoria, genannt „May“. Ihr Bruder Friedrich Wilhelm (1870–1873), genannt „Frittie“, starb nach einem Sturz aus einem Fenster an inneren Blutungen (er hatte Hämophilie geerbt). Alix’ Vater starb, als sie 20 Jahre alt war. Ihm folgte Alix’ Bruder Ernst Ludwig auf den großherzoglichen Thron. Ihr Cousin war Kaiser Wilhelm II.

Sie wurde wegen ihrer fröhlichen Art von der Familie „Sunny“ genannt.

Durch den frühen Tod ihrer Mutter stand Alix ihrer Großmutter Königin Victoria sehr nahe und wuchs größtenteils mit ihren drei Schwestern und dem Bruder in England auf. Victoria liebte Alix abgöttisch, weil sie so ein stilles, kleines Mädchen war.

Ehe[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 
Bild von der Verlobung im Jahr 1894

Alix heiratete recht spät für ihren Stand. Trotz (oder wegen) des großen Drucks von Seiten der Familie lehnte Alix einen Antrag ihres Cousins Albert Victor ab (des ältesten Sohns des späteren Königs von Großbritannien und Irland,Eduard VII.). Ihren zukünftigen Mann Nikolaus, einen Cousin zweiten Grades, traf Alix bereits im Alter von zwölf Jahren auf der Hochzeit ihrer Schwester Elisabeth im Jahre 1884. Nikolaus' Eltern, Maria Fjodorowna und Alexander III., stimmten einer Ehe der beiden nicht gleich zu. Alexander III. mochte zwar Alix scheue Art und schätzte ihr ruhiges Naturell, aber seine Mutter sah in ihr nur die Deutsche. Die Zarinmutter Maria, geboren als Prinzessin Dagmar von Dänemark, war eine Tochter von König Christian IX. und hegte seit dem Schleswig-Holsteinischen Krieg (1848–1851) eine Abneigung gegen die Deutschen. Zudem wollte sie für ihren Sohn jemanden von höherem Stand als Frau, eine in ihren Augen richtige Prinzessin, Tochter eines Königs, und nicht die Tochter eines Großherzogs aus dem kleinen Herzogtum Hessen. Doch ihr Sohn liebte Alix abgöttisch und konnte seine Mutter letztendlich überzeugen.

Auch Königin Victoria hatte Bedenken wegen einer solchen Verbindung, da ihr Russland nicht lohnend erschien, um Verbindungen auf politischer Ebene einzugehen. Königin Victoria, die Großmutter Europas, hatte alle ihre Töchter so verheiratet, dass sich in traditionellem Sinne „Fäden“ in die europäischen Länder ergaben und somit politische Beziehungen. Es sicherte ihr auch eine gewisse Form der Kontrolle zu. Doch die Königin hatte auch schon der Verbindung von Alix’ Schwester Elisabeth mit dem Großfürsten Sergej Alexandrowitsch zugestimmt, einer reinen Liebesheirat. Schließlich gab sie auch Alix ihren Segen.

Alix, durch den frühen Tod der Mutter sehr religiös geprägt, hatte gewisse persönliche Bedenken wegen des Übertritts vom lutherischen zum russisch-orthodoxen Glauben, der zur Heirat mit Nikolaus nötig war. Der junge Zarewitsch gab seiner Braut reichlich Zeit und stellte ihr einen orthodoxen Priester zur Seite, der sie in die Lehren des Glaubens einwies und dessen Zusprache ihr Mut machte. Und zudem versicherte ihre Schwester Elisabeth ihr, dass sie ihren Glauben nicht aufgeben müsse und beide Richtungen, den evangelischen und orthodoxen Glauben, miteinander verbinden könne.

Das Paar verlobte sich 1894 in Coburg und heiratete am 26. November 1894 im Winterpalast in Sankt Petersburg. Die Hochzeit war, nach damaligen Maßstäben, von außerordentlicher Bescheidenheit. Da nur wenige Wochen vorher Alexander III. plötzlich gestorben war, wäre eine prunkvolle Zeremonie während der Trauerzeit als unpassend empfunden worden. Mit Heirat und dem Übertritt zum russisch-orthodoxen Glauben änderte Alix ihren Vornamen in die orthodoxe Form Alexandra Fjodorowna.

Kaiserin Alexandra[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 
Kaiser Nikolaus II. und Kaiserin Alexandra Fjodorowna auf einem Kostümball/Hofball im Jahr 1903

 

Nach dem Tod Kaiser Alexanders III. wurden Nikolaus und Alexandra im Rahmen einer sehr prunkvollen Zeremonie zum Kaiserpaar gekrönt. Nikolaus war damals erst 25 Jahre alt. Alexandra war weder am Hof noch beim Volk sonderlich beliebt, einerseits wegen fehlender sozialer Fähigkeiten, andererseits auf Grund ihrer deutschen Herkunft. Sie war immer sehr schüchtern, biss sich bei Zeremonien auf die Lippen, aus Furcht, Fehler zu machen, und ihr Französisch, ein Muss am russischen Hof, war so schlecht, dass die Hofdamen noch Tage später über ihr Versagen Witze machten.

Sie selbst fühlte sich jedoch, nach einem eher trägen Empfang am Hof, auch nicht sonderlich wohl. Sie machte kaum Anstalten, mit anderen Mitgliedern der großen Romanow-Familie näheren Kontakt zu schließen und nahm an so wenigen Veranstaltungen wie möglich teil. Auch die Tatsache, dass sie immer wieder im Schatten ihrer sehr beliebten Schwiegermutter Maria Fjodorowna stand, trug nicht sonderlich dazu bei, sich besser in die Familie einzubringen. Hinzu kam noch, dass sie nach vier Geburten immer noch keinen männlichen Thronfolger zur Welt gebracht hatte.

 

Alexandra verteidigte und unterstützte die Politik ihres Mannes auf das Schärfste. Wie er war auch sie eine Verfechterin des Gottesgnadentums und empfand somit ein politisches Mitspracherecht des Volkes in Form eines gewählten Parlaments (in Russland Duma) als überflüssig.

 Alexandra Fjodorowna starb noch vor der Krönung ihrer Enkelin im Alter von 85 Jahren an Lungenkrebs bzw. offiziell an Magenproblemen. Ihr letzter Wunsch war es, dass ihr Tod die Festlichkeiten nicht stören sollte.